„Mendel Rosenbusch“ von Ilse Herlinger

Ilse Herlingers „Geschichten um Mendel Rosenbusch“ sind 90 Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung wieder verfügbar!

Neugierige und mutige Kinder wie Lenka und Uri, Ruth und Gerson, Resele und Tesele stehen im Zentrum der Abenteuer- und Wundergeschichten. Vor große Herausforderungen gestellt, bedürfen sie der Hilfe von anderen Kindern – und auch von Erwachsenen. Doch gerade die Erwachsenen haben vor allem ihre eigenen Ziele im Sinn. Dann greift Mendel Rosenbusch, von dem niemand weiß, dass er über eine besondere Fähigkeit verfügt, in das Geschehen ein. Und mit seiner Unterstützung gelingt es Lenka und Uri, Ruth und Gerson, Resele und Tesele, den uneinsichtigen Erwachsenen und auch manchen Kindern, die Augen und Herzen zu öffnen.

Ilse Herlinger erzählt diese Geschichten mit Spaß und Spannung – und in einer wunderschönen und schlichten Sprache (Leseprobe siehe unten).

Bibliografische Angaben

Ilse Herlinger
Mendel Rosenbusch
Geschichten für jüdische Kinder

Deutscher Text von Ilse Herlinger mit Übersetzung ins Hebräische von David Abramov
Elf doppelseitige Grafiken von Özgür Erkök Moroder
Nachwort von Dr. Annegret Völpel
Herausgegeben von Ulrich Leinz
Korrektur des hebräischen Texts für die 2. Auflage Hanna Livnat
Redaktion der hebräischen Übersetzung und Nikud von Rachel Gluckman
Erfassen des deutschen Texts von Bettina Darsow

Klappenbroschur mit Fadenbindung
192 Seiten, elf Grafiken, drei Fotografien
21,90 € [D] 
2. Auflage 
ISBN: 978-3-946392-25-5

Mendel Rosenbusch
Er wohnte in dem kleinen Häuschen hinter der „Schul“, wie man in kleinen Gemeinden das Bethaus nannte. Kein Mensch wußte, wie alt er war, woher er stammte, und wovon er seinen Unterhalt bestritt. Er schien uralt zu sein, aber in seinem zerknitterten Greisenantlitz mit dem langen schlohweißen Barte leuchteten zwei lustige braune Augen, die so hell und klar waren, wie die eines Knaben. Gute, freundliche Menschen hatten ihn lieb, ohne zu wissen, w a s sie an ihm so gern mochten; die reichen, geizigen Leute jedoch verzogen ärgerlich die Mienen, wenn sie ihn sahen, doch sie wußten ebenfalls nicht, was sie an ihm verdroß, der doch keinem zur Last fiel, einsam und still lebte, und nie die Hilfe anderer in Anspruch nahm. Den Kindern aber war er ein guter Freund. Am Sabbath, nach dem Minchah, schlich sich oft eine kleine Schar Buben und Mädeln zu dem kleinen Hause, pochte an die braungestrichene Tür und wirbelte wie ein Frühlingssturm in die helle, saubere Stube, in welcher Mendel Rosenbusch vor einem frommen Buche saß. Dann pflegte er sich taub zu stellen, tat, als lese er, und ließ das Lärmen der kleinen Schar unbeachtet. Erst wenn Lenka, sein Liebling, unter den Tisch kroch und ihr übermütiges Gesichtchen plötzlich keck zwischen ihm und dem Buch auftauchte, fuhr er wie erschrocken zurück und ächzte in drolligem Entsetzen: „Schemah – wie habt Ihr mich erschreckt!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→ Band 2: Siegfried Abeles „Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“