Für einen Auszug aus „Krüppelpassion oder vom Gehen“ wurde Jan Kuhlbrodt 2023 mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet. In der Jury-Begründung hieß es: „Jan Kuhlbrodt hat eine vielschichtige Prosa geschrieben, die sich mit großer Unerschrockenheit, erstaunlicher Komik und theoretischem Witz der eigenen MS-Erkrankung stellt. Was ihm inzwischen fast unmöglich ist, das Gehen, wird zum Leitmotiv eines erfahrungssatten szenischen Panoramas. Die papierene Welt der Bücher wird ihm zur Gegenlandschaft, in der die Utopie einer Welt ohne Gravitation aufscheint.“ Das Buch wurde vielfach positiv rezensiert. Die Literaturredaktion des Deutschlandfunks wählte es unter die besten Bücher des Jahres 2023, zudem stand es im November 2023 auf Platz 2 der SWR-Bestenliste. So versuche ich in meinem Krüppeltext mit Mut und Humor vom langsamen Rückzug des Lebens aus meinem Körper zu schreiben als eine Begegnung von all diesen Momenten.
Ich sitze im Rollstuhl auf dem Board, und das Ding lässt sich über den Handantrieb des Rollstuhls steuern. Mit etwas Schwung und mit Hilfe des E-Motion-Antriebs, bekomme ich das Ding zum Schweben. Durch geschickte Gewichtsverlagerung kann ich es steuern. Die Leute hier in der Straße brauchten ein wenig, sich an den Anblick des schwebenden Rollstuhls zu gewöhnen.
Jan Kuhlbrodt, 1966 geboren in Karl-Marx-Stadt, studierte politische Ökonomie an der Universität Leipzig sowie Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt am Main. Von 1997 bis 2001 absolvierte er außerdem ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er war als Lehrer in einem Projekt für straffällig gewordene Jugendliche und als Antiquar tätig. Jan Kuhlbrodt war von 2007 bis 2010 Geschäftsführer der Literaturzeitschrift Edit. Er war Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut.





