Dass Gedichte woandershin laufen, als zu erwarten ist, gehört zu den Brüchen mit der Konvention, die diesen erstaunlichen Band füllen. Das Gedicht „Sitzen, Schwitzen, Schweigen!“ beginnt mit der verheißungsvollen Exposition: An einem der Frauentage betrat/ die Hüterin der unbenannten Dinge/ die glühende Sauna. Nach der surrealistischen Beschreibung der Saunaszene schließt sich ein Lied an, in dem – im ausgetrockneten See – alte Weiber Schwänen die Hälse umdrehen, ihr selbst die Kehle zugedrückt wird und der Bruder die Federn frisst. Ich komm nicht mehr zurück. So endet der Saunatraum und das Gedicht. Wer sich die Zeit nimmt, die Poesie auch mehrmals zu lesen, stößt auf unsagbare Dinge, die paradoxerweise dem Glauben an die Entstehung der Welt durch das Wort Auftrieb geben. Der Begriff ‚Zweisprachigkeit’ bekommt hier eine etwas andere Bedeutung.
Orsolya Kalász, geboren 1964, wuchs in Dunaújváros in einer ungarndeutschen Familie auf. Von 1972 bis 1974 lebt Orsolya mit ihrer Familie in Berlin und besucht dort die Grundschule; Deutsch wird ihr zur zweiten Sprache. In den Jahren 1978 bis 1980 geht sie auf das ungarndeutsche Gymnasium in Pécs (Fünfkirchen), maßgebend für ihr späteres Studium in Budapest. Dort studiert sie Germanistik, Ungarische Literatur und Sprachwissenschaft. Seit 1984 arbeitet sie als freischaffende Autorin und Übersetzerin. 1997 legt sie mit „Babymonster und die Gärtner“ ihren ersten zweisprachigen Gedichtband vor, wobei sie sich selbst ins Deutsche überträgt. Weitere Gedichte erscheinen in deutschen und ungarischen Literaturzeitschriften. 1999 gibt Orsolya Kalász gemeinsam mit Gerhard Falkner die zweisprachige Lyrikanthologie „Budapester Szenen“ heraus. Diese Anthologie junger ungarischer Autoren gestattet uns einen Blick in die zeitgenössische ungarische Literatur. Orsolya Kalász lebt und arbeitet abwechselnd in Budapest und Berlin.





