Mit aussichtsplattform | welten.9 | darsolarpolar legen Dirk Uwe Hansen (Gedichte) und Michael Wagener (Bilder und Gestaltung) einen gemeinsamen Band vor, der an die Bände wolkenformate (2016) und sonne geschlossener wimpern mond (2018) anknüpft und diese Zusammenarbeit erweitert. Das Buch gliedert sich in zwei Textzyklen – von elementen und von sappho – begleitet von verschiedenen Bilderserien, übergreifend zusammengefasst unter dem Titel darsolarpolar. Über die Entstehung und den Hintergrund von von elementen sagt Hansen folgendes: »Die Texte dieses Zyklus’ fragen nicht nach den Elementen als Urstoff der Dinge und nicht nach deren ›eigentlichem‹ Wesen – es geht mir vielmehr um die Fraktale, in die die wahrnehmbare Oberfläche der Dinge zerlegt werden kann, und danach, ob diese Einzelteile des Wahrnehmbaren ein Eigenleben haben oder ich ihnen eines geben und es vom Wesen der Dinge trennen kann (›was sind Fenster und Türen, wenn ich das Haus nicht dazu denke, was ist Wasser ohne Meer oder See‹). Also eine Art Suche nach Abstraktion auf der Oberfläche dessen, was materiell vor Augen liegt.« Ähnliches könnte man auch über das Konzept und die Entstehung der Bilder sagen: Ausgehend von Objektfotografien (taschenkosmos, plan) wird hier mit Hilfe von verschiedenen Filtern und Projektionen der dargestellte Gegenstand entfaltet, auch, um neue Formen, Strukturen und Oberflächen zu entwerfen und ans Licht zu bringen. »Ganz ähnlich versuchen die Gedichte im Zyklus von sappho, solche Einzelteile, seien es Wörter oder rhythmische Strukturen, aus den Texten der griechischen Dichterin herauszulösen und ihnen – ohne dass ich ihren ursprünglichen Platz im sapphischen Werk kennen muss – ein eigenes Leben als Teilchen in einem Mosaik aus den Scherben, in die die Überlieferung Sapphos Gedichte zerbrochen hat, zu geben.« (Dirk Uwe Hansen): »Schön wie ein Kontinent, wie / Stadt Land Fluss und alles aus / Gold und alles / nicht mein Kind«.
Dirk Uwe Hansen, Dichter, Übersetzer, Altphilologe, geboren 1963 in Eckernförde, studierte Klassische Philologie an den Universitäten Hamburg und Köln. Seit 1995 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Greifswald. Seit 2008 veröffentlicht er Gedichte in Zeitschriften und Anthologien (u. a. Konzepte, silbende_kunst, Der Greif, Jahrbuch der Lyrik). 2011 erschien Sirenen, 2012 Sappho – Scherben – Skizzen (beide im Udo Degener Verlag), 2013 zwischen unge/sehnen orten im Verlag silbende_kunst Köln. Aus dem Altgriechischen übersetzte er u. a. Lukians Schrift Über den Tod des Peregrinos und die Theognidea (beide erschienen Darmstadt 2005). Aus dem Neugriechischen übersetzte er Phoebe Giannisis Gedichtband Homerika (Reinecke & Voß 2016). Gemeinsam mit dem griechischen Dichter und Übersetzer Jorgos Kartakis übersetzt er Gedichte zeitgenössischer griechischer Autoren, die regelmäßig auf den Internetseiten fixpoetry.com und poiein.gr erscheinen. 2014 gab er gemeinsam mit Michael Gratz die Anthologie Muse, die zehnte. Antworten auf Sappho von Mytilene (freiraum verlag Greifswald) heraus.





