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Siri Hustvedt |  Gedichte 

»Etwas war in mir aufgebrochen und ich schrieb wie eine Besessene. Als ich schlafen ging waren dreißig Seiten aus mir herausgeflossen. Drei Monate lang schrieb ich diese Seiten immer wieder um in ein Prosagedicht. Es war das Beste, was ich je gemacht hatte. Danach schrieb ich nie wieder Lyrik.«  (aus: Hustvedt, Auszüge aus einer Geschichte des verwundeten Selbst, Reinbek 2006) Mit Illustrationen von Eva Köstner.


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Gutleut Verlag
Erscheinungstermin: 2011
Broschur
48 Seiten | 978-3-936826-70-8

25,00 

„It is a tiny thing a book I still like and care about“ sagt Siri Hustvedt über ihre allererste Veröffentlichung, ein schmales Buch mit Gedichten und Prosagedichten, das 1983 in New York erschienen ist. Eine poetische Bestandsaufnahme ihres jungen Lebens von Orten, Menschen, Liebes- und Familiengeschichten und eine Hommage an den amerikanischen Künstler Joseph Cornell. Der Ton ihrer frühen Gedichte ist der einer Erzählerin. Sie folgt einer Traumlogik, entwirft Kindheits- und Erinnerungsmuster als eine Landschaft, in denen sich die Orte ihrer Kindheit – Minnesota, Norwegen und von Reisen nach Asien – gleichsam surreal wie in geologischen Formationen übereinander schichten. Viele der Motive tauchen in ihren Romanen wieder auf. Mit der Traumlogik selbst beschäftigt sie sich,  inzwischen explizit.

In dem Essay „Auszüge aus einer Geschichte des verwundeten Selbst“ (Being a Man, Essays, Deutsch von Uli Aumüller, Reinbek 2006) schreibt sie über ihre erste Veröffentlichung: „Als ich endlich ein Gedicht verfasste, das mir gefiel, schickte ich es der Paris Review, und zu meinem Erstaunen wurde es angenommen und veröffentlicht. … Und ich setzte mich in meiner Wohnung in der 109th Street an meine blaue Schreibmaschine und schrieb frei, und beim Schreiben erinnerte ich mich an Vergessenes. Ich erinnerte das gelbe Papier, das mein Vater seinen Mädchen gab, wenn er uns mitnahm in die Historical Association, wo er an seinem Schreibtisch arbeitete, während wir auf dem Fußboden malten. Familiengeschichten fielen mir wieder ein – Bruchstücke meines Lebens, das ich hinter mir gelassen hatte. Ich entdeckte Muster, Wiederholungen – eine Form tauchte auf, die ich vorher nie hätte erfinden können. Etwas war in mir aufgebrochen und ich schrieb wie eine Besessene. Als ich schlafen ging waren dreißig Seiten aus mir herausgeflossen. Drei Monate lang schrieb ich diese Seiten immer wieder um in ein Prosagedicht. Es war das Beste, was ich je gemacht hatte. Danach schrieb ich nie wieder Lyrik.“

Witzigerweise übersetzte ich Hustvedts Gedichte zum Vorlesen für ein Hörbuch, das 2009 im Hoffmann und Campe Verlag herauskam. Ich suchte den „Sound“, denn zum Vorlesen muss es ja klingen. Die verflixte Amibiguität der Poesie machte mir Kopfzerbrechen. Bei der Tonaufnahme im Studio hörte ich sie schließlich selbst ihre Gedichte vorlesen. „Ist es nicht zu monoton?“ fragte sie. Nein, gar nicht monoton, aber traumwandlerisch. Und wie im Traum bricht der Schrecken ins vermeintliche Idyll, das ihr ebenso suspekt ist wie es Jane Austen war. (Brigitte Landes, Gutleut Verlag, Klappentext, 2012)

Siri Hustvedt, geboren 1955 in Northfield, Minnesota, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, Essayistin und Literaturwissenschaftlerin mit norwegischen Wurzeln. Nach ihrem Studium am St. Olaf College promovierte sie 1986 an der Columbia University über Charles Dickens. Bekannt wurde sie vor allem durch Romane wie Was ich liebte und Die gleissende Welt. 1983 erschien bei Station Hill Press ihr erster und bislang einziger Gedichtband Reading to You. Die schmale Sammlung zeigt bereits Hustvedts feines Sensorium für Wahrnehmung, Körper, Sprache und Erinnerung, Themen, die später ihr erzählerisches und essayistisches Werk prägen sollten.

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