Landschaften sind von Menschen geformt und doch Gegebenheiten, in die Menschen hineingeboren werden und lernen – mehr oder weniger mühsam – darin zu navigieren. Es gibt Kontinuitätslinien. Und doch ständig auch Veränderungen. Sichtbar wird dies von Generation zu Generation – und diesen Linien spürt das ungewöhnliche Textalbum »Wäsche im Wind und Polizisten« nach. Sozusagen in einem generationenübergreifenden Dialog trifft Autor Jan Kuhlbrodt auf seine beiden Töchter Maria und Sofia. Unterschiede werden austariert, aber auch Traditionen und Vergangenes, das verbindet. »Wäsche im Wind und Polizisten« – das sind lyrische Korrespondenzen, auch zwischen Texten und Zeichnungen, die sich gegenseitig illuminieren. Der Band ist in drei Zyklen unterteilt: »Andere Augen« ist eine Begegnung mit Kleists Drama »Penthesilea« das sich hier als höchst gegenwärtige Medienreflexion erweist. »Den Müttern und Vätern ein Land« beschreibt die Rückkehr eines verlorenen Sohnes in ein ostdeutsches Plattenbaugebiet, nun von der Enkelinnengeneration begleitet, die einen neuen, ganz anderen Blick auf dieses Land haben. Im Zyklus »Die Rückkehr des politischen Lieds« taucht Vergangenes wieder auf und beharrt auf seiner Bedeutung.
Jan Kuhlbrodt, geboren 1966, studierte Philosophie in Frankfurt am Main und Literatur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, lehrte dort auch als Dozent und Gastprofessor. Er lebt als freier Schriftsteller und Herausgeber in Leipzig. Für seinen ebenfalls im Gans Verlag erschienenen Roman »Krüppelpassion« wurde er mit dem Alfred Döblin-Preis ausgezeichnet.
Maria Hefter, geboren 2001 in Leipzig, ist seit 2015 in der Leipziger Theaterszene aktiv, unter anderem im Theater der jungen Welt und im Schauspiel Leipzig. Außerdem arbeitet sie mit einem Freund an einem gemeinsamen Musikprojekt an Text und Gesang und assistierte 2024 bei einem Kurzfilmprojekt im Bereich Kostümbild.
Sofia Hefter, geboren 1999 in Leipzig, studiert mit großer Leidenschaft Malerei, Zeichnung und Literatur. Sie lebt mit ADHS und setzt sich bewusst dafür ein, die positiven Seiten dieser Neurodiversität zu zeigen. Sofia möchte vermitteln, dass Menschen mit ADHS nichts falsch machen – vielmehr ist es das System, das oft nicht auf ihre Vielfalt eingestellt ist.





